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Kunstengagement der Schweizerischen Post

Felice Varini – Trompe-l’oeil (1991)

Felice Varinis Werk spielt mit Perspektive und Raum und verbindet Kunst und Architektur zu einer präzisen visuellen Erfahrung.

Über das Werk

Felice Varini, Trompe-l’oeil, 1991, Genève, © 2022, ProLitteris, Zürich© Die Schweizerische Post

Eckdaten

Felice Varini
Trompe-l’oeil, 1991
Acryl, Masse variabel
Post Filiale, 1200 Genève 1 Mont-Blanc

Werkbeschrieb

Wer das historische Postgebäude an der Rue du Mont-Blanc betritt, sieht einen gelben Kreis, der sich über das Gewölbe und die Säulen der Schalterhalle erstreckt. Weiter eintretend, zerfallen die Linien in zufällig scheinende, verzerrte Fragmente. Man hat den «idealen» Standpunkt für die Betrachtung der illusionistischen Malereien (es gibt für jeden Eingang eine) verlassen. Das repräsentative Hôtel des postes wurde 1892 von John und Marc Camoletti im Beaux-Arts-Stil erbaut und orientierte sich an der römischen Antike, der Renaissance und dem Barock. Während das Äussere mit Figuren und Friesen reich dekoriert ist, realisierte Felice Varini im Zuge der Restaurierung das erste künstlerische Werk innerhalb des denkmalgeschützten Gebäudes.

Für die Herstellung seiner Arbeiten wählt Varini einen Standpunkt, der seiner eigenen Körpergrösse entspricht. Anschliessend projiziert er die Form in den Raum, zeichnet ihre Konturen nach und füllt sie anschliessend mit Farbe oder Klebefolie aus. Das Werk Hôtel des postes war sein erstes öffentliches Kunst-am-Bau-Projekt im Rahmen eines Wettbewerbs und dürfte ein Anstoss für weitere Aufträge gewesen sein. Obwohl Varinis Werke für spezifische Orte entstehen, sind sie nicht daran gebunden. Zu jedem Werk gehört ein Zertifikat, das die Installationsbedingungen für jede für den Künstler denkbare andere Situation vorgibt.

Zur Person

Maria Pomiansky, 2022/2023, Filzstift auf Papier / Felice Varini, Trompe-l’oeil, 1991, Genève© Die Schweizerische Post

Felice Varini

Felice Varini (1952, Locarno) entwickelte seinen ihm eigenen Malereistil Ende der 1970er-Jahre fernab der Leinwand, in Architekturen bzw. auf deren Fragmenten oder auch in ganzen Dörfern, die ihm als Malgrund dienen. Er schafft Illusionen der Zweidimensionalität im dreidimensionalen Raum und kehrt damit die Logik der illusionistischen Trompe-l’œil-Malerei der Renaissance um. Die Elemente seines Repertoires sind Ovale, Rechtecke, Trapeze, Zickzack-Linien oder Spiralen in Rot, Blau, Gelb, Schwarz und Weiss. Varini untersucht anhand des Verhältnisses von Fläche und Raum die Bedingungen von Wahrnehmung. Damit schrieb er sich in einen allgemeinen künstlerischen Fokus der 1960er- und 70er-Jahre ein und verfolgt diesen bis heute weiter. (JI)

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