Joseph Gautschi – Ohne Titel (1958)
Eine gemeinsame künstlerische Arbeit, die Architektur und Umgebung aufgreift und den öffentlichen Raum durch ihre präzise Gestaltung ergänzt.
Über das Werk

Eckdaten
Joseph Gautschi
Ohne Titel, 1958
Fresko
Post Filiale, 1950 Sion 2 Nord
Werkbeschrieb
Die Eröffnung der Poststelle Nord in Sitten im Jahr 1958 war ein Zeichen der Prosperität der Stadt. Gut möglich, dass Joseph Gautschi deshalb die wirtschaftliche Potenz der Region sowie die Verbindungen von Sitten zur Hauptstadt Bern zum Thema seines Freskos an der Aussenmauer des Gebäudes machte. Es befindet sich direkt über dem Eingang des gemässigt modernen Baus von Raymond Zurbriggen, dessen Eleganz damals von den Lokalmedien gelobt wurde.
Das Gebäude wurde bei der Einweihung 1958 von einem Journalisten als typisch Sitten beschrieben: Das Weiss und Blau der Architektur und des Freskos harmoniere mit der Sittener Lichtqualität. So scheint auch die Sonne auf die Szenerie des dreigeteilten Freskos: Oben verweisen Laubengänge sowie ein Bär auf Bern. In der Mitte sind Symbole des Golfsports und der römische Gott Merkur mit seinen typischen Attributen – Heroldsstab, geflügelte Haube und geflügelte Sandalen ¬– zu sehen; in der linken Hand hält er ein Posthorn. Unten symbolisieren Walliser Früchte und Wein sowie Werkzeuge die Land- und Bauwirtschaft. Eine Zickzack-Linie über die gesamte Vertikale betont die Verbindung zwischen den verschiedenen Elementen. Die Post wird von Gautschi als zentrale Schaltstelle der Kommunikation und der Vernetzung, des Handels und des Tourismus allegorisiert.
Darstellungen von PTT-Themen dominierten die Kunst an Postgebäuden bis in die 1950er-Jahre. Die Wandmalerei Gautschis gehört damit einer bildlichen Tradition an, die in den Folgejahren aufgegeben wurde.
Zur Person
Joseph Gautschi
Joseph Gautschi (1900, Sierning AT–1977, Sitten) war Maler und Glasmaler und stellte Mosaike her. Nach Ausbildungsstationen in Zürich, München und Paris liess er sich in den 1930er-Jahren im Wallis nieder und folgte damit anderen, heute bekannteren Künstlern wie Edmond Bille oder Albert Chavaz. Er realisierte zahlreiche religiöse und profane monumentale Malereien an Gebäuden, aber auch kleinere Format auf Leinwand. (JI)
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